Yann-Fañch Perroches
An droug hirnez

Das erste Solo-Album des (diatonischen) Akkordeonspielers Yann-Fañch Perroches aus der Bretagne. Hinlänglich bekannt durch die Spitzengruppe Skolvan (zuletzt Swing & Tears, fm 2/95) und die von ihm initiierte CD Cocktail diatonique (fm 6/93).

Die Grundlage von Yann-Fañchs Musik ist die traditionelle Tanzmusik. Es ist sicher kein Zufall, daß wir bei den ersten der 12 Titel Gavotten und eine Suite (mit einem schönen gestrichenen Baß) hören, dies ist aber weder eine Tanzplatte noch eine verkappte Skolvan-CD. Es gibt wenige, die bei Instrumenten, die Melodie und Begleitung zugleich erlauben bzw. erzwingen, die Melodiebögen weich zu ziehen vermögen und nicht dem Stakkato des Rhythmus erliegen, der für die bretonischen Tänze so besonders charakteristisch ist. Die Qualität der CD erschließt sich erst nach mehrmaligem Hören, weil auf ausgesprochen fetzige Titel verzichtet wird. Auch die obligaten Einsprengsel irischer und balkanöser Herkunft wurden ausgelassen, weil Yann-Fañch sich als bretonischer Musiker verstanden wissen will (obwohl er auch andere Stile hervorragend spielen kann). Stattdessen glänzt das Album durch feine Arrangements, besonders wenn der Querflötist Stéphane Morvan (hauptberuflich Bombarde- und Biniouspieler bei BF 15) und/oder der Kontrabassist Gildas Boclé (spielt auch mit Jacques Pellen) mitmischen, unterstützt hier und da von Bernard Le Dréau (sax), dem vielbeschäftigten Cellisten Thierry Moreau (Archetype, Veillon, Cabestan), Didier Squiban (p) und Dom Molard (dr, perc), einer der Molardbrüder, der auch Bouzouki spielt (allerdings nicht hier). Das ist deshalb zu erwähnen, weil er nicht zu jenen Rockschlagzeugern gehört, die durch simplifizierte Taktbetonungen die rhythmische Struktur von Folkmusik zerstören (spielt mittlerweile auch bei Skolvan, siehe die CD Fest-noz live auf den Grauen Seiten).

Die jazzigen und sonstigen Elemente sind fein gesetzt, denn sie gewinnen nie die Oberhand, sondern bleiben Mittel der Arrangements. Im mittleren Teil der CD sind die Stücke etwas introvertierter. Die CD setzt nicht auf eingängige Stücke und vordergründige Arrangements. Das diatonische Akkordeon steht zwar im Vordergrund dieses Album, es ist aber nicht als CD für Akkordeonliebhaber gedacht, gleichwohl es als Hintergrundsmusik nicht geeignet ist, eher etwas für den Kopfhörer.

Andel Bollé, Folk Michel 5/97



Aufgenommen: 1997
CD: Keltia Musique KMCD 79
MC: Keltia Musique KMc 79
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