Woche der Bretagne in Hamburg

Was macht eine Hamburgerin mit einer Woche Urlaub Ende Oktober ? Richtig, sie geht als Videodokumentateurin zur
Woche der Bretagne" (23.10. - 28.10.98) und wird nebenbei Künstlerchauffeurin. 6 Tage lang stellte die Bretagne sich uns Hamburgern von ihren unterschiedlichen kulturellen und kulinarischen Seiten vor, auf daß wir sie kennenlernten.
Veranstalterseitig beteiligt waren u.a. das Institut Français, der Conseil Régional de Bretagne und Création Bretagne, koordiniert von Hervé Kerourédan, dem Inhaber des Ti Breizh in Hamburg. Hier ein kurzer Rückblick.

Zur offiziellen Eröffnung (sowohl der Woche als auch des Ti Breizh) am Freitag kam eine Barkasse auf dem Nikolaifleet vor dem Ti Breizh angeschippert. An Bord befanden sich illustre Persönlichkeiten der Politik: der Präsident des Conseil Régional de Bretagne (quasi der bretonische Landespräsident), der erstmals die Bretagne offiziell im Ausland vertrat, der Vizepräsident für Tourismus und Kommunikation, der Vorsitzende von Création Bretagne, der französische Generalkonsul, sowie Hamburger Politiker; man gab sich "gewichtige" Ehre.

(Foto: Brigitte Henselleck)

Hauptattraktion war eine 1000 quadratmetrige ehemalige Posthalle (im Zentrum Hamburgs), die zur Ausstellungs- und Messehalle umfunktioniert wurde. Da der Eingang etwas schwer zu finden war, fungierten am Wochenende die von der Uni rekrutierten zweisprachigen MessehelferInnen auch als menschliche Wegweiser, was durch die persönliche Ansprache viele Besucher neugierig machte, einen Blick zu riskieren. Über 20 bretonische Firmen, die sich größtenteils 1994 in dem Wirtschaftsverbund Création Bretagne zusammengeschlossen haben, boten ihre Waren erstmals im Ausland feil. Anliegen von Création Bretagne ist die Übermittlung einer "modernen" Bretagne mit ihren besonderen Produkten.


Vertreten waren so namhafte Firmen wie der Musikverlag Coop Breizh (CDs und Bücher), Armor Lux (peppiger Marine-Look), H.B. Henriot (berühmtes Faïence-Geschirr aus Quimper), sowie das Fremdenverkehrsamt der Bretagne. Was gab es noch zu kaufen? Die Auswahl war groß: Steingutkacheln mit Hermelinschwänzen in verschiedensten Farbvarianten, Kosmetika, diverse Bekleidungsstücke & Schuhe, Leuchtturm-Fotos, Liköre, Konfitüre, Crêpes, Kekse, sogar verschiedene Algensorten, die man laut Aussage des Verkäufers als Salat zubereiten könne. Wenngleich auch nur am Wochenende richtig Trubel war, äußerten sich die Aussteller über das Messeergebnis doch recht zufrieden. Auch die Hoffnung, Kontakte zu einheimischen Firmen zu knüpfen, ging für einige der ausstellenden Firmen in Erfüllung. So sollen z.B. bretonische Kekse und Kuchen demnächst bei Spar erhältlich sein. Ein Duo Bombarde & Biniou (der alte bretonische Dudelsack) und eine Tänzerin sorgten während der Messe für den akustischen Rahmen.


(Foto: Markus Paul Schimweg)
Kultur-Highlight war zweifellos das Konzert von Yann-Fañch Kemener & Didier Squiban am Samstag in der Messehalle. Dem aktuellen Trend des erstmals in Hamburg auftretenden Duos entsprechend, gab es auf diesem Konzert weniger Gwerzlieder, dafür mehr Tänze, was in seiner interessanten Mischung beim Publikum gut ankam.

Die weiteren Veranstaltungen fanden in etwas kleinerem Rahmen, teils im Institut Français und teils im Ti Breizh, statt. So wurde am Mittwochabend versucht, musikalischen mit kulinarischem Genuß zu kombinieren. Im Ti Breizh wurde ein Konzert des Harfen-Duos Myrdhin (Stahlsaiten) & Zil (Nylonsaiten) im Paket mit einem bretonischen Menü geboten. Ursprünglich geplant als "Dinner-Konzert" mußte das Publikum dann mangels P.A. während des 1 ╝ stündigen Konzertes hungern, was es sogar überraschend andächtig tat. Doch auch ohne Gabelgeklapper war der Gesang war nur zu erahnen und eher eine angedeutete Untermalung des Harfenspieles. Das Programm namens ars celtica verlief querbeet und überwiegend bretonisch durch Standards und unbekannteres, Gwerz, Tänze, ruhige Lieder und "Säuselgesang". Das anschließende traditionell bretonische Menü mit Fischsuppe und 2 Gängen Crêpes traf meinen Geschmack dann mehr.

(Foto: Brigitte Henselleck)
Auch den Augen wurde Kultur geboten. Im Ti Breizh stellte Fañch Le Henaff seine keltische Grafiken aus (viele bekannte Konzert- und Fest Noz-Plakate stammen von ihm), im Institut Franšais Marie-Madeleine Flambard ihre Küstenlandschafts-Aquarelle. Und mit Yvon Le Men hatte man einen der bedeutendsten neuzeitlichen bretonischen Poeten für eine Autorenlesung eingeladen.

Allerhand haben sie sich einfallen lassen und wie man feiert, das wissen sie, die Bretonen, obwohl organisatorisch streckenweise - untypisch bretonisch - etwas chaotisch, endete die Woche mit einem Abschluß-Danke-Crêpes-Menü für die Messehelfer am Donnerstag im Ti Breizh.


Im Rahmen der Woche der Bretagne fand auch die Gründung des Vereins der Bretonen in Norddeutschland statt, der der Bretagne weltweit zu mehr Präsenz verhelfen und den ausgewanderten Bretonen die Möglichkeit geben will, sich untereinander zu treffen. Aber auch andere Nationalitäten, die sich der Bretagne verbunden fühlen, sind willkommen, dem Verein beizutreten. Bisher hat sich ein Chor gegründet, der Seemannslieder singen will; weiterhin soll es Gesprächsgruppen zu verschiedenen Themen und Diaabende geben. Für September 99 ist ein Fest Noz in Hamburg geplant. Und einige der in Création Bretagne zusammengeschlossenen Firmen eröffneten dieser Tage in Hamburg am Baumwall einen gemeinsamen Bretagne-Shop. Es hat sich also schon einiges entwickelt und nun warte ich gespannt, was die Bretonen weiterhin in Hamburg anzustellen gedenken.

Brigitte Henselleck, Folker! 3/99

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