Soïg Sibéril
Musique Celtique, Partitions et tablatures pour guitare


Daß man sich als Dilettant bei keltischer Musik bei normal gestimmter Gitarre die Finger verknoten kann, wird jedem bekannt sein, der es schon versuchte. "Open tuning" heißt die Lösung, und das wiederum in den meisten Fällen DADGAD. So auch in den "Partitions" des bretonischen Gitarristen Soïg Sibéril. Von den 18 im Heft enthaltenen Stücken (aus der Bretagne, Schottland, Irland, Galicien und Eigenkompositionen) sind 10 auf Soïgs letztem Soloalbum Entre ardoise et granit zu hören, das man sich also tunlichst zulegen sollte (Gwerz Pladenn GWP 013, Rezension im folk michel 4/97). Der Rest ist verstreut (jeweils angegeben), zwei noch nicht erschienen (aber angekündigt). Die Stücke sind selbstverständlich sowohl in Tablatur wie auch "notiert".

Ich habe mich an zweien versucht, den Ridées du printemps (Fingerpicking) und dem Scottish Jig (Flat Picking). Resultat: Man bekommt wieder Lust, das Instrument öfter in die Hand zu nehmen. Die Melodiebögen sind nicht allzuschwer in den Griff zu kriegen, die Baßläufe schon mehr, weil sie gelegentlich etwas unorthodox daherkommen. Das liegt z. T. am Stil von Soïg, sein Spiel lebt von einer starken Linken sozusagen, während die Rechte nicht gerade gerade ist (um im Bild zu bleiben). Das tut der Sache aber keinen Abbruch, den technischen K.O. kann man ja durch Kreativität vermeiden. Die offene Stimmung bietet für manchen Fingersatz ja mehr Varianten an als die Normalstimmung, so daß man nicht unbedingt über fünf Bünde greifen muß (kommt selten vor). Ich bin ohnehin davon überzeugt, daß viele Folktunes dadurch entstanden sind, daß jemand das Originalnicht mehr so genau im Kopf hatte oder Schwierigkeiten durch für ihn leichtere Varianten umging. Hauptsache, es klingt nach was, und die Ridée wird nicht zum Walzer. Für den Ungeübten schwierig sind Jigs und Reels wegen des notwendigen Tempos, das Heft enthält aber auch viele langsame Stücke. Es wäre für weniger Fortgeschrittene vielleicht hilfreich, dem nächsten Heft eine Grifftabelle für die häufigsten Akkorde beizugeben und diese auch in den Stücken zu notieren, das macht die Angelegenheit für manchen vielleicht durchsichtiger. Für blutige Anfänger ist das Heft im übrigen nicht geeignet, und man braucht auch ein relativ gutes Instrument, da Vieles nur über die Griffhand gemacht wird, eine Pfadfinderklampfe gibt das aber nicht her.

Andel Bollé, Folker! 4/99



Coop Breizh 1997, 36 S. (18 Titel), FF 130
Bezug: Coop Breizh, Kerangwenn, F-29540 Spézet, Tel. 0033/298.93.83.14, Fax 298.93.87.97


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