RÜDIGER OPPERMANN KONZERTE 2009


28.2. San Francisco, Modesto (Harp Festival)

11.3. Bochum Schauspielhaus (Vorstellung Karawane_2010)

14.3. Istanbul, Gitar Cafe
16.3. Istanbul, World Water Forum

25.4. Ulan Baator, Mongolei, Symphoniekonzerthalle

11.-14.6. Harfentreffen, Lauterbach

16.-19.6. Bochum, Kemnade Festival Workshops
19.6. Konzert Kemnade Festival, KARAWANE 2010 mitR.O.s GLOBAL PLAYERS, HAGURUMA DAIKO, ZENGÖ (Ungarn), YINON MUALLEM ENSEMBLE (Istanbul)

30.6. Bonn, Landesmuseum (DAAD)

9.7. Cham (Duo mit Park Stickney)

12.7. Ostsee Festival, mit Lutz Gerlach

8.-16.8. SommerMusikFest auf dem Knüllköpfchen
21.8. Gargilesse Festival (F)

1.-13.9. Nanjing, Shanghai (China)

1.-3.10. Harp Festival, San Francisco (Plough&Stars), Oakland, Marin, Mendocino



KLANGWELTEN Tournee (genauere Angaben auf der Klangwelten-Seite)

Klangwelten 2009

22.10. Karlsruhe
23.10. Laupheim
24.10. Leipheim
25.10.Miltenberg
28. 10.Marburg
29.10. Marburg SILBERFLUSS
(Jubiläumskonzert)
31.10. Lommel (B)

1.11. Landau
7.11. Regensburg
8.11. Passau
14.11. Mainz
17.11. Bonn
19.11. Heidenheim
20.11. Kirchheim
22.11. Pforzheim
27.22. Ludwigsburg
28.11. Offenburg

3.12. Eckernförde
4.12. Hameln
11.12. Leer
13.12. Tübingen
16.12. Dreieich
18.12. Roth
21.12. Freiburg
22.12. AfterTourParty




Mon Mar 16 14:26:11 2009

Liebe Freunde,

leider kann ich diese Seite nicht so oft aktualisieren, wie es nötig wäre. Nicht dass nicht genug los wäre, das Gegenteil ist der Fall, ich komm halt nicht dazu. Zunächst einmal will ich sagen:Danke für Euer Interesse und für den überwältigenden Besuch der KlangWelten Konzerte! Über 12.000 Leute haben das Programm angehört, und wir haben einige wunderbare Kritiken zum Konzert und zur CD bekommen (u.a. in so gegensätzlichen Blättern wie der FAZ und der TAZ, aber auch persönliche e-mails und Briefe. Die Musiker sind dankbar dafür). Die Koreaner werden wahrscheinlich schon im Sommer zum SommerMusikFest zurückkommen. Bijan und Epi fahren im April nach Korea zu Konzerten, so waechst weiter, was hier angefangen hat... Wieder habe ich einiges dazugelernt, z.B. daß ein Schreigong schön sein kann, daß man auch chinesische Musik als Basis gemeinsamer Stücke benutzen kann, daß Koreanische Trommeln sehr laut sind..... Auch ich habe Reisepläne, im Februar/Maerz reise ich nach Suedostasien, auf den Spuren interessanter Musikstile aus abgelegenen Weltgegenden (Laos, Vietnam,Cambodia).

Und das bedeutet nebenbei, dass ich vom 31.1. bis 10.4. nicht erreichbar bin. Das Ergebnis dieser Reise werdet ihr (hoffentlich) schon bei Klangwelten 2009 hören... Und ausserdem brauche ich dringend Urlaub.

Seit März 2007 arbeite ich an der neuen Musik für RIGOLO, die jetzt fertig geworden ist. Eine anspruchsvolle, hochinteressante Aufgabe. Das Timing und die Stimmung der Stücke muss ja genau mit den tänzerischen und akrobatischen Aktionen übereinstimmen. Ausserdem ist die Musik im surroundsound abgemischt, das heisst, das Publikum wird umgeben von Klängen, es fühlt sich an als würde man mittendrin sitzen zwischen den Musikern (so ähnlich wie im Kino). Klänge wandern im Raum umher, drehen sich ums Publikum.... Die Musik ist so aussergewöhnlich und bemerkenswert geworden, daß wir uns (und Rigolo) entschlossen haben, sie auch auf CD zu veröffentlichen.

Einige Ideen aus KlangWelten07 wurden dafür weitergesponnen, z.B. ein orchestrales Arrangement von STREAM OF GOLD, ohne Hussein, aber mit Streichern, Mongolischem Brummelchor, Jazz-Bläsern und Latin-Percussion... Leider kann ich bei der Premiere am 5.3. nicht dabei sein, weil ich in Asien bin. Aber ich verspreche Euch, es lohnt sich, in die Schweiz zu fahren und sich diese Produktion anzusehen. Sie erinnert etwas an Cirque du Soleil und Andre Hellers Großproduktionen, nur zurückhaltender. Es wird nicht so an die große Glocke gehängt.

Die Vorbereitungen für KlangWelten 2008 haben schon begonnen. Besonders freuen wir uns auf die Rückkehr der Wagogo-Trommlerinnen aus Tanzania. Es wird, auch auf vielfachen Publikumswunsch hin, ein Programm der „Alten Hasen“ mit einem neuen Gast:

Jatinder Thakur (Indien)
Tata Dindin (Gambia)
Enkh Jargal (Mongolei)
The Wagogo Queens of Drums (Tanzania)

und meiner persönlichen Neuentdeckung A.Parov (Bulgarien/Ungarn), einem fantastischen Multi-Musiker (Gedulka, Kaval, Mandola...), der in eingeweihten Kreisen schon lange bekannt ist, und den ich auch gleich fürs SommerMusikFest engagiert habe.

Auch für die Harfenliebhaber-Szene organisiere ich drei Konzerte im Frühjahr: Ein Internationales Harfenfestival mit
Maeve Gilchrist aus Schottland.Nach Ihrem Studium an der renommierten Berkelee School of Music in Boston lebt sich jetzt in den USA. Diese Stationen zeigen auch schon, wo es lang geht: Maeve spielt jazzige Stücke auf der schottischen Harfe. Von der traditionellen Musik hin zu eigenen Kompositionen hebt sie die irische Harfe auf ein neues Niveau, sie swingt sich durch die traditionelle Musik, aber spielt z.B. auch Miles Davis. Ein neuer Stern am Harfenhimmel, von der wir noch viel hören werden, zum ersten mal in Deutschland!

O3

Drei Harfenspieler aus dem Oppermann-Clan beleuchten verschiedene Saiten der Harfenmusik und spielen zum ersten mal auch zusammen:

RO mit bewährt überschrittenem Horizont der Keltischen Harfe mit fliessenden Improvisationen und elektronischen Effekten, vom archaischen Musikbogen aus Zentralafrika bis zu Melodien aus Afghanistan, mit eigenen minimalistischen und jazzigen Kompositionen. Dazu Cynthia Oppermann mit Stücken von J.S. Bach und Debussy, zusammen mit ihrer Duo-Partnerin Veronika Fuchs (Flöte). Und last,but not least unser Junior Laurin Oppermann, der sich zu einem wunderbaren Sänger entwickelt, der sich an der Harfe selbst begleiten kann, mit Liedern von Coldplay, Sting und John Dowland.

Angel Dario Gonzales spielt die traditionelle Harfe aus Paraguay. Von dort kommt ein rasanter, tänzerischer, hochvrtuoser Stil. Ann Heymann spielt die Musik der alten irischen Barden in der traditionellen Art, mit langen Fingernägeln auf goldenen Saiten. Die führende Spezialistin für die historische Bardenharfe erzeugt ein faszinierendes mittelalterliches Klangbild.

Alles zusammen im Paket zu hören am

18.5. Karlsruhe, Zelt am Tollhaus, Schlachthausstr.1
20.5. Fritzlar, Münsterkirche
21.5. Friedberg, Kurhaussaal

Beim WORLD HARP CONGRESS in Amsterdam, kurz vor dem Sommermusikfest, nämlich ca am 22.7., wirke ich mit an einem gigantischen neuen Stück von PARK STICKNEY für 500 Harfen und 3 Solisten. Die drei Solisten sind Park Stickney, Deborah Henson-Conant und Rüdiger Oppermann, mit Sambapercussion etc erweitertemKlang.


Das Große SommerMusikFest-Zelt habe ich jetzt gekauft, weil der Verleiher aufgehört hat. Das geografische Zentrum des Fests wird mehr Richtung Knüllcamp verschoben. Das bedeutet, daß wir viel früher aufbauen können. Ich suche ca 10 freiwillige Helfer für Anfang Juli (3-5 Tage) um das Zelt und den Tanzboden aufzubauen. Das wird sicher nebenbei eine schöne Musik-Arbeits-Party. Nur bei schönem Wetter.

Kommt gut übers Jahr. Es geht voran.

Herzliche musikalische Grüße,
R.Oppermann
22.1.08

Sat Feb 16 21:56:15 2008

Kristen Nogues - ein persönlicher Nachruf.


Ich hörte Kristen zum ersten mal auf einer Kasette, von der ich nicht mehr wusste, wer sie mir gegeben hat. Vielleicht war es Stefan Battige, der als erster und am intensivsten von uns sich der Harfe in der Bretagne genähert hatte. Da erklang eine merkwürdige, magnetisch anziehende Stimme, von der man nicht sagen konnte, ob sie von einem kleinen Mädchen oder einer alten Frau stammte, mit einer unglaublich magischen Kraft. Noch dazu in einer Musik, die ich so noch nie gehört hatte, mit merkwürdigen Akkorden, auf die keine herkömmliche Bezeichnung passte. Mit Melodien, die genauso ungewöhnliche Sprünge vollführten, immer wieder im Zweifel an behäbiger Einfachheit....


Jedenfalls, was ich nicht wusste, war daß Kristen auch mich gehört hatte, und zwar 1983 in Dinan. Sie lud mich ein, wenn ich wieder in die Bretagne käme, sie zu besuchen. Und das tat ich auch, 1985. Damals war sie gerade -so würde es man heute sehen, aber wir wussten das damals nicht- auf dem Höhepunkt ihrer kreativen Kraft.


Ihre Musik hatte sich weit entfernt von dem Üblichen, und das machte ihr das Leben nicht leichter. Denn alle erwarteten natürlich von einer Bretonischen Harfenistin, daß sie sich irgendwie mit der traditionellen bretonischen Musik beschäftigt. Sie aber interessierte sich mehr für Neue Musik, für Debussy, für Wagner, für Chanson, für elektronische sounds. Das kam mir gerade recht, denn ich befand mich in einer ähnlichen Phase und wir entwickelten geschwisterlich-kollegiale Gefühle. Die Klänge elektrisch modifizierter Harfen wurde damals pauschal und vehement abgelehnt, auch in Deutschland, auch in unserer Harfenszene. Ja, bretonische Musik und bretonische Identität waren eine Heimat für sie, aber musikalische war sie schon weit davon entfernt. Sie wurde von einem Freundeskreis traditioneller und -Jazzmusiker getragen, die Szene aus der Generation und dem Umfeld von Alan Stivell, Dan Ar Braz, etc, eine Szene von künstlerische erfolgreichen Althippies, die immer noch ihre Feste feiern konnte. In der Bretagne herrschte eine Kalifornische Aufbruchsathmosphäre, und das spielen Bretonischer Musik, das Sprechen der Bretonischen Sprache war damals ein politisches Zeichen von Selbständigkeit. Die Entwicklung kumulierte in dem Widerstand gegen ein geplantes Atomkraftwerk, das als typische Willkürakt der Pariser Zentralregierung gesehen wurde. Kristen war in diesem Wiederstand aktiv, hier verband sich eine Heimatliebe mit einer anarchistischen, freiheitlichen, kulturstolzen Orientierung. Schon Kristens Vater war in der bretonischen Separatistenbewegung aktiv gewesen, diese Leute hofften währfend der Besatzungszeit auf einen eigenen Staat und wurden heimlich von den Nazis unterstützt (ähnlich wir die IRA in Irland), natürlich aus ganz anderen, eigennützigen Gründen. Deshalb wurde er nach dem Krieg als Kollaborateur in die Nazi-Ecke gestellt, was aber ganz und gar nicht der Realität entsprach. Kristen litt unter dieser Geschichte.


Kristen war sehr klein, und sie spielte oft im Stehen hinter der Keltischen Harfe. Die Harfe war ihr zu schwer zum tragen, deshalb brauchte sie immer einen Assistenten, der ihre Harfe schleppte, und der mit ihr reiste zu ihren Konzerten ins Ausland.


Ihr Gebrauch der Klappen war wirklich einzigartig. Sie machte es sich von Nutzen, daß sie -anders als bei der Pedalharfe- in verschiedenen Oktaven auch verschiedene Modulationen der gleichen Töne einstellen konnte, zB gleichzeitig C, Ces und Cis und daraus dann Akkorde bauen, die sonst niemand spielte. Niemand auf der keltischen Harfe und auch niemand auf der Pedalharfe. Das war keine Diatonische Musik mehr, in die Falle des abgerundet-harmonischen Wolkensounds ist sie nicht getreten. Für viele war diese Musik zu schräg, auch für viele in unseren Harfenkreisen, und ich musste mehrere Einladungen an sie regelrecht durchsetzen, weil sie keine Massenkompatiblen Stücke zu unterrichten hatte, sondern einfach durch ihr Da-Sein unsere Welt um einen aufregenden Farbtupfer erweiterte. Einmal kam sie so spät zum Harfentreffen. daß sie nur noch das Sonntags-Konzert in Marburg spielen konnte. Das Organisieren war nicht ihre Stärke.
Die Trennung von ihrem Exmann hatte sie schwer in Mitleidenschaft gezogen, sie trank zu viel. Der Ex, der recht wohlhabend war, unterstützte sie weiterhin finanziell, sie brauchte nicht Konzerte aus finanziellen Gründen spielen. Sie lebte mit ihrer Tochter alleine.


So groß und aussergewöhnlich ihre Musik ist, so klein und fragil war ihr Selbstbewusstsein. Vor Konzerten war sie sehr aufgeregt, auf der Bühne zu stehen war für sie immer anstrengend. Sie bekam auch nur selten die Anerkennung die sie verdient hätte. Und tatsächlich konnten ja nur wenige erkennen, was sie da leistet, eigentlich nur Leute die selbst Keltische Harfe spielen.
Auf der LP NEUES AUS HARFISTAN widmete ihr 1987 ein Stück (Valse melancholique) in dem ich eine ihrer ausgefallenen Leitern benutzte, eine verminderte Leiter die zwei 1,5-Tonschritte hat, dafür aber auf die Quarte verzichtete (denn wir haben ja nur 7 Seiten pro Oktave): d e f gis a b cis d . Das ist heute nichts besonderes mehr, damals aber war es wie ein Statement, und wurde von vielen als ungehörig angesehen. Kristen war mutig, und ich wollte ihre Courage mittragen.


Auch auf die CD ART OF HARP 1 übernahm ich eines ihrer stärksten Stücke, Berceuse.


Mit dem Klangwelten Festival hatte ich die Möglichkeit, Leute auf große Bühnen zu bringen, die sonst ganz unbekannt waren. So engagierte ich auch Kristen für die Tournee 1990. Wir reisten zusammen 4 Wochen durch Deutschland und spielten 25 Konzerte. Ihre Stimmung schwankte stark, aber meistens verbreitete sie gute Laune und Lebensgenuss. Sie hatte sich gut angefreundet mit Rabih Abou-Khalil, der auch im Konzert mitspielte, und manchmal, spielten wir zusammen. Es gelang mir, meinen Produzenten Karsten Linde zu überzeugen, daß unbedingt eine Platte mit Kristens Musik erscheinen musste. In drei Tagen, im Anschluss an die Tournee, spielte sie dann in Nordheim im Pauler-Studio ihre CD ein, die bis heute ihre beste Aufnahme ist, KERNELEC. Ihr Freund, der Jazzgitarrist Jaques Pellen, war auch dabei und steuerte einige interessante Sounds bei. Er hatte sie auch bei anderen, eigenen Projekten, als musikalischen Partner eingesetzt.
Manche der Stücke, die sie aufnahm, waren schon Jahre alt und gehörten sozusagen zu ihrem Standard-Repertoire. Diese Stücke in einer guten Tonqualität vor uns zu haben, ist ein großes Glück für uns.


Ich bat Kristen, auf meiner nächsten LP mitzuwirken, und zwar als Sängerin. Das kam ihr merkwürdig vor, sie liebte ihre Stimme nicht, ich aber schon. So sang sie Margaritig , und ich spielte ihr Stück, eine große Ehre für mich. Kristen war nicht die Art von Person, die ihre Karriere selbst pushen konnte, sie brauchte dazu immer andere Begeisterte, die sie auf ein angemessenes Podium stellten. Immerhin hat sie in der Bretagne an einigen sehr großen Projekten mitgewirkt, in denen Bretonische Musik, Jazz, und Neue Musik zu einem Neuen Ganzen verschmolzen. Es gab immer wieder Leute, die sie auf die Bühnen brachten. Aber es wurde zunehmend schwieriger, sie aus dem Gehäuse ihrer Depression zu locken. Das Leben fiel ihr nicht leicht.
Zwei mal nahm ich sie noch mit auf ein italienisches Harfenfestival, das ich mit organisierte. Damals schon fiel ihr das Reisen schwer, sie war krank empfand die Welt als schwer zu ertragen. Das war vor 10 Jahren.


Kristen hat unser Leben bereichert, und die Keltische Harfe weit nach vorne gebracht. Wir verdanken ihr viel. Manches hat sie in Bewegung gesetzt, wovon die heute Betroffenen gar nichts merken oder wissen, so wie das auch der frühen Frauenbewegung ging. So geht es den Pionieren. Würde sie heute anfangen mit den Sachen, die sie vor 20 Jahren gespielt hat, wer weiss, vielleicht wäre sie ein großer Star geworden. Sie hat die Türen aufgestoßen zu neuen Klangräumen, zu neuen Harmonien und zu einer anderen Stimmästhetik, sie hat die bretonische Musik in einen neuen Zusammenhang gesetzt, sie hat durch ihre herzliche Art und ihren Humor die Welt ein kleines Stück nach vorne gebracht. Sie hat für die Musik gebrannt, wie das sein muss, und sie ist früh verbrannt. Damit steht sie in einer langen Reihe großartiger Musiker.


Wie sollen wir Ihr gedenken? da habe ich einen Vorschlag: der beste Gedenkplatz für einen Musiker ist Spielplan, die Playlist im Radio, oder der CD-Player.


Wir verneigen uns.
Merde, alors ! Farewell -


Rüdiger Oppermann

P.S. Kristens CD KERNELEC gibt es in unserem CD-Shop
www.klangwelten.com/records/

Wed Jul 11 13:36:23 2007

Neues aus Harfistan


Liebe Freunde,
es tut sich einiges bei uns, weshalb ich leider nur zu selten zum updaten dieser news-Seite komme. Der Grund ist also nicht, daß es nichts zu vermelden gaebe, sondern zu viel!
Zur Zeit arbeite ich an vier großen Projekten, die alle musikalisch sehr interessant sind. Während das SommerMusikFest derzeit ja nur aus Verwaltungsarbeit besteht, die ich eher zähnekrischend abspule, sind die anderen echte musikalische Herausforderungen.
Besonders überwältigend war die Erfahrung des ersten realen Zusammentreffens der diesjährigen Klangwelten Musiker Bijan Mahdjub , Epi, Hussaine Kili mit mir und den Koreanischen Trommlern (diese vom Band) . Es sind ein paar atemberaubende mitziehende Sequenzen entstanden, an denen ich ich jetzt weiter arbeite und sie im Studio innerhalb der nächsten 3 Wochen endgültig abmische und arrangiere. Hatte ich zunächst noch Angst, daß ohne Jatinder Thakur der Zusammenhalt fehlt, so bin jetzt ganz begeistert von dieser Konstellation und freue mich auf die Konzerte! Das Thema des Festivals ist irgendwie zu FAR EAST-FAR WEST geworden, und interessanterweise gibt es erstaunliche Verbindungsmöglichkeiten zwischen Klängen aus dem äußersten Westen (Bretagne) und Ostasien, die auch ohne den Zwischenhalt in Indien funktionieren. (unfertiges Tonbeispiel schon auf dieser website zu hoeren, bei KlangWeltenFestival, Tonbeispiele...) Ich nehme diese Konstellation auch zum Anlass, einige Stücke meiner eigenen musikalischen Vergangenheit wieder aufleben zu lassen, zB Eliz Ysa... oder andereKlänge bretono/elsaessischer Provinienz. Ja, auch ein elsaesser Kinderlied fand seinen Weg in eines der neuen Stücke!
Auch aus der chinesischen Musik der HongYü ist es mir gelungen, eine Melodielinie als Bassgroove für ein neues, gemeinsames Stück zu kondensieren. Bisher hat ja immer jeder gedacht, daß es zusammen mit der chinesischen Musik gar nicht ginge, und daß das keiner hören will. Wir werden das Gegenteil beweisen. Es klingt wunderbar, und Hussaine singt herzzerreissend dazu. Hong Yü war im Januar in Deutschland und wir haben ihren Part schon damals aufgenommen. Es war genug Zeit, sich darauf einzurichten. Wir werden uns noch einige male treffen, bevor die Koreaner eintreffen, und unseren Part üben.

Das neue Projekt BEAUTIFUL TURNS des schweizer Tanztheaters Rigolo wird von mir musikalisch begleitet. Diesmal steht nicht die multikulturelle Idee im Vordergrund, deshalb wird es keine Mongolischen oder Gambianischen Klänge geben. Dafuer live-loops, verfremdete Instrumente, neuerfundene Instrumente etc. Es geht ums Drehen, von akrobatischen Darbietungen an wundersamen Maschinen, Kreiseln, an Seilen, auf Seilen, mit Jongleuren etc pp wie bei Rigolo gewohnt und zuverlässig ein berauschendes optisches Erlebnis. Auch der Sufi-Drehtanz wird zu sehen sein, aber nicht als solcher und ohne rituelle Ansprueche. Ich hoffe, adaequate Klänge dazu zu liefern. Natuerlich bieten sich bei diesem Thema minimalistische Verschraenkungen an, es wird auch ein paar Harfen dabei geben, aber auch andere merkwuerdige live erzeugte Klaenge, das ganze im 5.1 Verfahren, das heisst, es wird auch sounds geben die um das Publikum kreisen oder darueber hinwegfliegen, zusammen mit den Artisten/Taenzerinnen. Eine interessante Arbeit, die es am Schluss auch als CD geben wird.

Der Dresdener Ballettmeister Johannes Boening, ehemaliger Choreograph des Gewandhaus-Balletts, hat mir die anspruchsvolle Aufgabe uebertragen, fuer seine neue Choreographie die gesamte Musik zu komponieren. Ich fuehle mich geehrt. Es handelt sich dabei um ein grosses Werk mit mehreren Teilen ueber mehrere Jahre ausgedehnt, und es geht um ZEIT / Chronos. Hierbei wird ein globaler Bezug hergestellt, deshalb kam er auf mich zu, und es werden mit Sicherheit Klaenge aus meiner bewaehrten Schatztruhe mit einfliessen, also aus der Mongolei, aus Indien, aus Afrika und aus Harfistan..... Urauffuehrung in ca 1 Jahr.

Angesicht des mit Arbeit sehr vollen Kalenders habe ich mich entschlossen, nach der KlangWeltenTournee fuer drei Monate aus Europa zu verschwinden, ich werde eine Reise nach Suedostasien unternehmen (Laos, Kambodia, Burma, Sumatra, Vietnam, Yuennan) und bin deshalb naechstes Jahr um diese Zeit nicht erreichbar (abwesend vom 1.2. bis 1.5. 2008). Aber bis dahin fliesst noch viel Wasser den Rhein hinunter. Ich gruesse Euch -
Ruediger Oppermann


Thu Apr 26 16:16:02 2007

NEUES AUS HARFISTAN


Liebe Freunde,
jetzt ist es offiziell: Ich bekomme den GERMAN WORLD MUSIC AWARD 2006 verliehen, das Ganze in einer Zeremonie auf dem Rudolstadt Festival am 8.Juli, kombiniert mit einem Konzert meiner Seidenstrassen-Karawane. Willkommen. (www.weltmusikpreis.de)
Dieses Musikprojekt, das die Seidenstrasse ausdehnt von der Bretagne bis nach Ostchina, also ganz Eurasien umfasst, konnte ich letztes Jahr im Rahmen des Karlsruher “Fächerwelten”-Festivals realisieren. Ich freue mich, dass wir mit dieser aufwendigen Produktion in diesem Sommen noch mehrere Konzerte spielen können. Denn es macht Spaß, bringt die Welt voran, und auch die Liste der Mit-Musiker ist bemerkenswert:

> Rüdiger Oppermann -Keltische Harfen, e-harp, Konzeption
> Jatinder Thakur -Indische Tablas
> Dimitar Gougov -Bulgarische Gadulka
> Dost Matur - Türkische Saz, Gesang
> Lars Lindval - Trompete
> Enkh Jargal - Morin Khoor (Pferdegeige), Gesang
> Rainer Granzin -Piano, Hammond, sounds
> WuWei - Sheng (Mundorgel), Bawu (Bambusflöte)
> Bijan Mahjub - Bombarde, Whistle
> Julius Oppermann - Drums und Percussion
> Joergen Lang - Gitarre

Auch ein anderes Projekt wird spannend: Ein Filmteam will mich auf meiner nächsten Afrika-Reise begleiten, und ich habe die Chance, meine afrikanischen Musikerfreunde und -freundinnen in ihren originalen Lebensverhältnissen vorzustellen. Ein Versuch, die Lebens- und Musikwelt aussereuropäischer Menschen den Europäern näher zu bringen, eine Aufgabe die mich anspornt. Eventuell wird daraus sogar ein TV-Mehrteiler. Aber warten wir erst mal ab, was sich wirklich realisiert. Jedenfalls werde ich mit diesem Team noch einmal in die Heimatdörfen der Wagogo-Trommlerinnen und der Erdxylophonspieler reisen und sie und ihre exzessiven Musik/Tanzfeste versuchen in Bilder und Originaltöne zu fassen. Naja, und als Erzählonkel darf ich auch meine Kommentare dazu geben.

Der Umzug des SommerMusikFests vom Mosenberg zum Knüllköpfchen (und damit verbunden der versuchte Kauf des Mosenberg) hat mich zeitlich, emotional und energetisch stark mitgenommen. Hinzu kam, daß sich gleichzeitig große persönliche Veränderungen abzeichneten und ein Teil meines Hauses abgebrannt ist. Ich habe viele Plätze besucht und hoffe, den Besten für alle Beteiligten gefunden zu haben. Mit einem rauschenden Einweihungsfest werden wir diesen Platz füllen.
Das WinterMusikFest war ein einmaliges,wunderschönes Ereignis , im tiefen Schnee, und mit selbstbestimmtem Neujahresbeginn. Finanziell war es leider ein Flop, aber darüber decken wir den gnädigen Mantel des Vergessens - nur leider,leider, kann ich es nicht wiederholen.

2006 ist das 20-jährige Jubiläum der KlangWelten- Festivals. In diesem Zusammenhang möchte ich eine Doppel-CD mit LiveAufnahmen aus den Konzerten der letzten 20 Jahre produzieren. Und das bedeutet, viel hören, sehr viel hören, denn wir haben ca 800 Stunden Liveaufnahmen angesammelt. Und ich frage mich, wann und wo ich das alles anhören soll.

Es geht weiter! Ich grüße Euch alle

Rüdiger Oppermann

Mon Feb 27 18:03:35 2006